Reinhold ECKFELDs Bericht & The Eckfeld Records Theodor Kramer Gesellschaft
Es lesen Martin KRIST und Tonia ECKFELD, die Tochter Reinhold Eckfelds:
Reinhold Eckfeld wurde 1938 als Jugendlicher vom Schulunterricht ausgeschlossen. Er war einer von 104 jüdischen oder für die Nationalsozialisten als jüdisch geltenden Schülern eines Wiener Gymnasiums. In seinem Augenzeugenbericht schildert Reinhold Eckfeld den Judenhass und die Gewalt während der Novemberpogrome, als er misshandelt wurde.
Auf der Flucht, die ihn nach Australien brachte, schrieb er 1940 nieder, was er in Wien erlebt hat.
Was diesen Bericht so wertvoll macht, ist Reinhold Eckfelds genaue Beobachtung und schriftliche Festlegung von Begegnungen mit nationalsozialistischen Beamten, alles Österreicher, den Schikanen bei der Beschaffung aller Dokumente und Formulare, die für eine Emigration notwendig waren, und die exakte Schilderung von Gesprächen in den Schlangen vor den Schaltern, die die Verzweiflung der dort Wartenden widerspiegeln.
Er erwähnt aber auch die kleinen Überbleibsel von Unentschiedenheit im Verhalten derer, die ihn oder seine Angehörigen kannten und noch zwischen Opportunismus und schlechtem Gewissen – oder zwischen Hass, Teilnahmslosigkeit und Scham – schwankten.
SCHWINDELFREI
Käthe KRATZ
Anlässlich der Veröffentlichung des Buches SCHWINDELFREI von Käthe KRATZ (Elster & Salis, Wien, Herbst 2026) lädt der RC zur Buchpräsentation und Lesung ein:
mit der Autorin und Filmemacherin: Käthe KRATZ
Eine persönliche Chronik, die gleichzeitig eine kollektive Geschichte erzählt und die Parole der Frauenbewegung „Das Private ist politisch“ greifbar macht.
Käthe Kratz, 1947 in Salzburg geboren, ist eine Filmemacherin und Autorin. Sie studierte als erste Frau Regie an der Filmakademie Wien und war die erste weibliche TV-Spielfilmregisseurin Österreichs. Mit ihrer Arbeit legte sie einen Grundstein für das zeitgenössische feministische Filmschaffen.
Moderation: Sibylle Summer (Sprecherin RC)
„Ein Werk, das persönliche Erinnerung, Erzählung und Zeitgeschichte in literarisch verdichteter Form darstellt. Ein Abend für alle, die Literatur lieben, die österreichische Zeitgeschichte verstehen wollen – und für alle, die wissen, wie viel Mut es braucht, schwindelfrei durchs Leben zu gehen.“ (Beatrix Binder, VHS Meidling)
33. Sommerlesereihe des Literaturkreises PODIUM zum Thema MENSCH : NATUR
PROGRAMM
Es lesen aus eigenen Werken:
Mittwoch, den 1.7., 19 Uhr 30
Annett Krendlesberger, Hannes Vyoral
Montag, den 6.7., 19 Uhr 30
Margret Kreidl, Lucas Cejpek
Mittwoch, den 8.7., 19 Uhr 30
Reinhard Wegerth, Claudia Bitter
Montag, den 13.7., 19 Uhr 30
Angelika Stallhofer, Sascha Wittmann
Mittwoch, den 15.7., 19 Uhr 30
Tobias March, Beatrice Simonsen
Montag, den 20.7., 19 Uhr 30
Christian Katt, Amos Rüf
Mittwoch, den 22.7., 19 Uhr 30
Michael Hammerschmid, Isabella Breier
Das 21. Jahrhunderts wird oft als „Anthropozän“ bezeichnet: als das Zeitalter, in dem die Menschheit zum Faktor für die Entwicklung der Erdgeschichte geworden ist. Durch die Auswirkungen der Industrialisierung, ungebremsten Rohstoffabbau, Umweltverschmutzung usw. haben wir mittlerweile so stark in die geologischen, biologischen, klimatischen Abläufe auf unserem Planeten eingegriffen (und tun dies weiter und weiter), dass die Zukunft zunehmend düster aussieht. Mit diesem Wissen zu schreiben, Literatur zu produzieren – die wie jede Kunst letztlich auf dem „Prinzip Hoffnung“ aufbaut –, fällt nicht leicht. Ob Dystopie oder Nature-Writing, ob Prosa, Lyrik oder Essay, Science Fiction oder Landschaftsgedicht: Die im Rahmen der Sommerlesereihe an sieben Abenden von vierzehn Autor:innen präsentierten Texte zum komplexen Thema „Mensch : Natur“ berühren grundlegende, existentielle Fragen ebenso wie die Problematik pauschaler politischer oder sozialer Zuschreibungen (beispielsweise die in patriarchalen Gesellschaften gängige Konnotation von „weiblich“ mit z.B. „naturnah, chaotisch, irrational“). Literatur vermag neue Perspektiven aufzuzeigen und alte zu vergegenwärtigen: Lassen Sie sich überraschen!
The Rivers of Babylon und Ambient Antisemitism
Helene MAIMANN und Alexia WEISS
sprechen über ihre Beiträge in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Zwischenwelt
Präsentation der Zeitschrift Zwischenwelt (Nr. 2/2026) der Theodor Kramer Gesellschaft
Mit: Helene MAIMANN, Peter ROESSLER, Alexia WEISS, Marianne WINDSPERGER.
In der neuen Ausgabe der Zwischenwelt finden sich u.a. ein Beitrag von Bruno Schernhammer über die verschwiegene NS-Euthanasie in seinem Heimatort Vorchdorf, ein Interview von Marianne Windsperger mit Wolfgang Schellenbacher über eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien, welche die latente Angst vor Antisemitismus des Holocaustüberlebenden Emmerich Grünwald im Nachkriegsösterreich in Form einer selbst eingerichteten „Fluchtstube“ zeigt. Martin Krist schreibt über Österreichische Literaturempfehlungen vor dem „Anschluss“, Sabine Baumann stellt den Exilanten, Presseoffizier, Übersetzer, Literat Ernest Meyer (Pseud. Jean Salvard, 1908–1994) vor, Peter Paul Wiplinger ist mit einer Rede vertreten. Und wie immer enthält die Ausgabe mit einem Romanauszug von Nathalie Rouanet oder Gedichten von Richard Schuberth auch zahlreiche literarische Beiträge.
Bei der Präsentation der Ausgabe werden die Beiträge von Helene Maimann und Alexia Weiss im Zentrum stehen:
Der Bericht der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien für das Jahr 2025 ist in vielerlei Hinsichten überaus beunruhigend. Alexia Weiss hat den Bericht analysiert und beobachtet den steigenden Antisemitismus und damit einhergehende Phänomene und Entwicklungen sehr aufmerksam: „Die Grenze dessen, was von Betroffenen als unerträglich wahrgenommen wird, schraubt sich beständig in die Höhe – vieles, worüber man sich noch vor ein paar Jahren alteriert hätte, wird heute als Normalität wahrgenommen und daher auch nicht mehr gemeldet. Das ist ebenso beunruhigend wie die Zahl und Art der Vorfälle, die gemeldet wurden“, schreibt Alexia Weiss.
„Seit Boney M. hatte eine ganze Generation kein Problem mit dem inzwischen verpönten Wort Zion. In den letzten Jahren hat es eine krasse Umdeutung erfahren. Ich würde am liebsten The Rivers of Babylon jenen gedanken- und geschichtslosen Leuten in die Ohren blasen, die heute statt Juden lieber ‚Zionisten‘ sagen und beide mit Schimpf und Schande bedecken“, schreibt Helene Maimann in ihrem Beitrag. Ausgehend vom Psalm 137, 1–4 und dem bekannten Lied von Boney M. führt sie uns Jahrtausende zurück ins Zwischenstromland, um über ihre persönliche Familiengeschichte wieder in der Gegenwart anzukommen.
Das 1. Wiener Lesetheater präsentiert:
„Eine Reise ist ein vortreffliches Heilmittel für verworrene Zustände“
Franz Grillparzers Reise nach Konstantinopel und Athen
Dass er ausgerechnet in Athen in die Wirren einer Revolution geraten würde, das konnte der 52jährige Franz Grillparzer bei seiner Abreise aus Wien Ende August 1843 nicht wissen. Aber er ahnte insgesamt noch nicht, wie wenig Erfreuliches ihm diese Reise bescheren würde. In seinen Tagebuch-Aufzeichnungen beschreibt er seine Reiseerlebnisse detailreich und lässt uns mitleiden.
Mit: Sigrid FARBER, Heidi HAGL (Organisation, Textzusammenstellung), Traude KOROSA, Susanna C. SCHWARZ-ASCHNER
FILMABEND im RC
“TURL, der Widerständige, und sein Kreis. Antifaschistischer Widerstand 1933–1945”
(ca 50 Minuten, Medienbearbeitung: Verein KunstPlatzl, 2025, akt. Sonja u. Martin Frank, Mai 2026)
Einleitende Worte: Sonja FRANK
Der gleichnamige Ausstellungskatalog zum Film (limitierte Auflage, Theodor Kramer Gesellschaft) wurde zum Turls 80. Todestag am 6. Okt. 2025 in Wien präsentiert.
Der Film behandelt das Leben von Arthur ‚Turl‘ Schnierer (1913–1945), der in der Leopoldstadt geboren wurde und am 16. Juni 2026 seinen 113. Geburtstag hätte.
Turl Schnierer leistete mit seinem Freundeskreis einen großen Beitrag im Kampf gegen das NS-Regime für die Befreiung der besetzten Länder im Zweiten Weltkrieg. Er wirkte im Widerstand in Österreich, Belgien, Frankreich. Er überlebte Internierungslager in Frankreich, später die KZ-Lager Auschwitz und Buchenwald und starb wenige Monate nach der Rückkehr im befreiten Österreich an den Folgen der KZ-Inhaftierungen.
Zu seinen Freunden zählten die NS-hingerichteten WiderstandskämpferInnen Alfred Rabofsky, Walter Kämpf und Hedy Urach. Weiters der Großvater Ludwig Grossmann, der Autorin und Herausgeberin Sonja Frank. Außerdem der KZ Überlebende und Gründer des KZ-Verbandes Erich Fein. Der Film behandelt auch Erinnerungsorte wie jenen Gedenkstein “Steine der Erinnerung” für Turls Familie und u.a. den Gedenkort im Wiener Landesgericht, wo seine Freunde von den Nationalsozialisten geköpft wurden.
Zu Turls näheren Widerstandskreis zählten u.a.:
Renée Bromberg. geb. Schnierer. 1919-2015. Turls Schwester
Geboren Leopoldstadt, Rote Falken, Antifa. Mittelschülerverband, KJVÖ in Wien, 1936 wegen polit. Aktivitäten verhaftet und von der Schule verwiesen. 1937 unterstützte ihre Cousine Lotte im Spanienkomitee in Paris, 1938 nach GB, im Briefkontakt mit ihrem Bruder im 2.WK, Domestic servant in GB, befreundet mit Young Austria-Gründern, YA-Mitglied (YA = Young Austria, antifaschistische ö. Exiljugendorganisation), Ehe mit Kurt Bromberg (YA-Haus- und Hoffotograf). Woman War Worker f. d. Brit. Army. Nach 1945: Sekretärin, 1 Tochter Linda (geb. 1947 London/verst. Mai 2026 London).
Lotte Bindel-Hümbelin. geb, Bindel. 1909–2008. Turls Cousine
Widerstandskämpferin in Österreich, KPÖ-Arbeit vor dem Krieg in Prag und Moskau, später im Spanienkomitee für Interbrigadisten in Paris, Free Austrian Movement Briefkontakt zu Turl im 2. WK, 1939 heirateten Alfred ‚Fred‘ Hümbelin und Lotte in London, sie zogen in die Schweiz.
Nach 1945 u.a.: Therapeutin für die heilpädagogische Beratungsstelle der Universität Zürich, Autorin. 1 Sohn Karl.
Gusti Neumeier, geb. Auguste Krammel, gesch. Bailly. 1915–1976
Turls Partnerin in Ö. u. Belgien
Ulli Fuchs & Wolfgang Slapansky, Trümmer und Träume
Alltag in Favoriten 1945–1955
Das Erste Wiener Lesetheater
Mit: Ulli FUCHS, Renate GIPPELHAUSER, Jella JOST, Claudius KÖLZ (Gestaltung) – Walter MATHES, Susanne PICHLER, Kurt RAUBAL, Willi STEZHAMMER
CHILE – Aufwachsen im Schatten des NS-Systems
Eine Familiengeschichte
Buchpräsentation mit der Autorin Antje DOBERER-BEY,
Moderation Peter SCHWARZ
Antje Doberer-Bey, 1946 in Chile geboren und dort aufgewachsen, reflektiert ausgehend vom elterlichen Verschweigen der Verstrickungen in den Nationalsozialismus ihre eigene Familiengeschichte. Ihr Vater war Mitglied der NSDAP und kam 1939 als technischer Leiter für die Firma OSRAM nach Santiago. Erst 2019 erfuhr die Autorin, dass er auch für den deutschen Geheimdienst gearbeitet hat. Basierend auf 2017 freigegebenen Dokumenten des chilenischen Innenministeriums stellt Doberer-Bey das System der nationalsozialistischen Einflussnahme in Chile und die Auswirkungen der einstigen Mittäterschaft auf gesellschaftspolitischer und individueller Ebene von 1945 bis heute dar.
Vom Antisemitismus, der keiner sein will
Richard SCHUBERTH
»Und doch sieht es so aus, als hätte der Antisemitismus – learning by doing – seine Gestalt gewechselt und wäre von den Rechten zu den Gerechten übergelaufen, wo er, ständig das Lachen über den gelungenen Coup unterdrückend, die Palästinaflagge schwenkt.« (Seite 34)
Ebenso polemisch wie analytisch ergründet Richard Schuberth die Metamorphosen des neuen Antisemitismus – als einen weiteren, zeitgeistig adaptierten Versuch, individuelle Realitätsverluste und gesellschaftliche Widersprüche zu einer wahnhaften Meta-Erzählung zu harmonisieren.
https://edition-tiamat.de/books/vom-antisemitismus-der-keiner-sein-will
»Richard Schuberth, der sachkundig und sprachmächtig wie kaum ein anderer seit Jahren über Israel und Palästina schreibt und gegen Falschmeldungen aller politischen Bastionen anschreibt …« Karl-Markus Gauß, Schuldhafte Unwissenheit
»Richard Schuberth hat die modernen Manifestationen des Antisemitismus nicht nur scharf und schonungslos analysiert und präzise in seiner historischen Dimension verortet, sondern er hat auch das Kunststück zuwege gebracht, diese höchst unerfreuliche Problematik mit lustvoller Polemik unterhaltsam aufzubereiten. Mit feinem Sprachgefühl besonders hinreißend interpretiert: Hans-›antikolonialistische‹ Verbrüderungsszene im Irish Pub. Großes politisches Kabarett!«
Richard Weihs
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