Montag, 21. September 2026, im RC, Fischerstiege 1, 1010 Wien, Beginn: 19 Uhr
Reinhold Eckfelds Bericht & The Eckfeld Records Theodor Kramer Gesellschaft
Es lesen Martin KRIST und Tonia ECKFELD, die Tochter Reinhold Eckfelds.
Reinhold Eckfelds Bericht. Vom Novemberpogrom bis zur Flucht aus Wien. Hrsg. v. Martin Krist. Wien 2024.
Tonia Eckfeld, No One Knows. The Eckfeld Records: Inside the Dunera Story. Clayton, Victoria, Australia 2024.
Reinhold Eckfeld wurde 1938 als Jugendlicher vom Schulunterricht ausgeschlossen. Auf der Flucht, die ihn nach Australien brachte, schrieb er 1940 nieder, was er in Wien erlebt hat.
Was diesen Bericht so wertvoll macht, ist Reinhold Eckfelds genaue Beobachtung und schriftliche Festlegung von Begegnungen mit nationalsozialistischen Beamten, alles Österreicher, den Schikanen bei der Beschaffung aller Dokumente und Formulare, die für eine Emigration notwendig waren, und die exakte Schilderung von Gesprächen in den Schlangen vor den Schaltern, die die Verzweiflung der dort Wartenden widerspiegeln.
Der Sisyphus Verlag lädt zur Buchpräsentation und Lesung ein:
ILSE KRÜGER, DAS ROTZMENSCH, Roman
Der autobiographische Roman der 1939 in Zwettl und geborenen und seit 1946 in Wien lebenden Autorin spielt – von 1945 aufwärts – in der Nachkriegs- und Post-Nazi-Zeit. Ilses Vater ist im Krieg gefallen, ihre Mutter war eine aktive Nationalsozialistin, die – nun mit Berufsverbot belegt und auf odd jobs angewiesen – mit ihren beiden Kindern in der kleinen Wohnung der exzentrischen Großmutter untergekommen ist. Die Großmutter liebt Ilses Bruder Christoph, kann aber Ilse – das „Rotzmensch“ – nicht ausstehen, weshalb das Mädchen so oft wie möglich „verschickt“ wird. 1949 findet Ilse während eines Hollandaufenthalts in einer Illustrierten Bilder aus einem Konzentrationslager unter dem Titel „Verbrechen der Deutschen“. Als sie dann in einem Wiener Kino die US-Dokumentation „Die Todesmühlen“ sieht, erfährt sie vom vollen Ausmaß der Nazi-Verbrechen mit Millionen ermordeter Juden: Sie weiß nun, dass die virulente Verdrängungserzählung von Österreichs Opferrolle eine unverschämte Lüge ist. https://www.sisyphus.at/
JOSEF HASLINGER, DAS VATERSPIEL, Roman
Rupert Kramer – wegen seiner Hässlichkeit „Ratz“ genannt, ist ein Versager, wie das so unschön heißt. Fünfunddreißig Jahre alt und Sohn eines nicht gerade sympathischen sozialdemokratischen Ministers, verbringt er die meiste Zeit an seinem Computer und entwirft ein Vatervernichtungsspiel. Eines Tages bekommt er einen seltsamen Anruf seiner Jugendfreundin Mimi aus den USA. Er soll helfen, das Versteck von Mimis Großonkel auszubauen, der ein höchst aktiver und verbrecherischer Nazi war. Nun muss er sich – um nicht vor Gericht zu landen – in einem unauffälligen Haus auf Long Island verbergen. Er ist einer der Protagonisten der Nazi-Massaker an Tausenden litauischen Juden. Nach und nach erhellt sich der Zusammenhang zwischen „Ratzens“ Amerikamission und dem Schicksal zweier jüdischer Familien, von denen die eine vernichtet worden ist und die andere sich nach Amerika hat retten können.
Josef Haslinger, 1955 in Zwettl geboren, jahrelang Universitätsprofessor in Leipzig, Autor äußerst erfolgreicher Romane wie Opernball oder Jáchymov und Richtung weisender Erzählungen wie Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek, widmet sich im Vaterspiel bedrückender Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das Vaterspiel wurde auch 2009 verfilmt, Regie: Michael Glawogger
Dienstag, 6. Februar 2024, im RC, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, Beginn: 19 Uhr
Vier Begräbnisse und drei Exhumierungen –
GESCHICHTE UND AUFARBEITUNG DES SPANISCHEN FASCHISMUS
Aus der Reihe Geh Denken!
Am 24. April 2023 wurden die sterblichen Überreste von José Antonio Primo de Rivera aus dem sogenannten „Tal der Gefallenen“ nordwestlich von Madrid exhumiert. Primo de Rivera war der Gründer und Führer der Falange Española, der wahrscheinlich langlebigsten faschistischen Partei im Europa des 20. Jahrhunderts und ein wesentlicher Bestandteil der Franco-Diktatur. Nach zwei vorigen Exhumierungen lag dessen Leichnam seit 1949 in der Basilika im sogenannten Tal der Gefallenen (nordwestlich von Madrid) begraben, die jahrelang von Tausenden von Zwangsarbeitern in den Felsen eines Berges gegraben worden war und heutzutage noch das größte franquistische Denkmal in Spanien ist. Diese dritte Exhumierung bildet im Kontext der Auseinandersetzungen über die diktatorische Vergangenheit und die demokratische Erinnerung in Spanien zwar eine wichtige Episode, aber sicher nicht die letzte.
Vortrag: Toni MORANT I ARIÑO (Associate Professor am Department für Neueste und Zeitgeschichte der Universität de València).
Politik, Aktivismus und Wissenschaft im Klimanotstand
Vortrag und Diskussion mit Reinhard STEURER (Univ. Prof. für Klimapolitik, BOKU Wien)
Moderation: Christine HULATSCH
2023 ist das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen und ist wahrscheinlich der Einstieg in eine von der Menschheit noch nie erfahrene Klimakatastrophe. Die Ursache für die Erderwärmung ist vor allem die zunehmende Konzentration der Treibhausgase CO2 und Methan in der Atmosphäre. Das bedeutet, es bedarf großer Anstrengungen, um den Ersatz von fossilen Energien zu bewerkstelligen. Weder weltweit noch in Österreich (Österreich befindet sich im Ranking bei den Schlusslichtern, in guter Gesellschaft mit z.B. China) werden ausreichend Anstrengungen unternommen. Ganz im Gegenteil, die CO2 Konzentration steigt weiter an. Die Politik betreibt vor allem Scheinklimaschutz… Das von der Regierung angekündigte Klimaschutzgesetz ist seit 1000 Tagen ausständig. Aber auch die internationale Politik ist in Richtung Scheinklimaschutz unterwegs, alle bis jetzt abgeschlossenen internationalen Abkommen haben sich als erfolglos herausgestellt. Erforderlich ist ein Umdenken in der Gesellschaft, die sich dann nicht mehr damit zufriedengibt, dass sie von der Politik mit Märchenerzählungen abgespeist wird. Univ. Prof. Steurer geht weiter, er ist überzeugt, dass das Zeitfenster bald zugeht, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen und ist daher auch ein Befürworter von störendem Protest.
Buchpräsentation und Lesung von und mit Richard SCHUBERTH
Im Reader Rückkehr des Dschungels – Essays und andere Texte 2017– 2023 versammelt der Dichter, Gesellschaftskritiker und Kulturwissenschaftler Richard Schuberth Essays, Artikel, Satiren, Rezensionen und Interviews aus sechs Jahren. Texte zur Ära Kurz, dem Ukraine-Krieg, zu Karl Kraus, Queen Elizabeth, Konstantin Wecker, Shane MacGowan und Donald Trumps Mama, über MeToo, Genesen des Nationalismus, Metamorphosen des Antisemitismus, Perspektiven des Widerstands, Sprachkritik und seine eigene Jugend in den Dschungeln der Donau.
Richard SCHUBERTH, Rückkehr des Dschungels – Essays und andere Texte 2017– 2023, Klagenfurt: Drava 2023
Ungefähr 1400 österreichische Freiwillige aus Österreich verteidigten in den Internationalen Brigaden in den Jahren 1936-1939 die Spanische Republik gegen die putschenden Militärs unter Franco. Darunter sind auch 34 Österreicherinnen dokumentiert, die zum überwiegenden Teil im Internationalen Sanitätsdienst als Ärztinnen und Krankenschwestern den Kampf des republikanischen Spanien solidarisch unterstützten. Einige waren auch in anderen Bereichen als Journalistinnen, Dolmetscherinnen oder in Schulungsprogrammen für Frauen tätig. Nach dem Ende des Spanienkriegs 1939 konnten sie nicht in das von Deutschland besetzte Österreich zurückkehren und mussten emigrieren. In den Exilländern integrierten sie sich in die lokalen antifaschistischen Widerstandsbewegungen, einige kehrten auch zur illegalen Tätigkeit nach Österreich zurück. Im Vortrag werden ihre Lebenswege in Kurzbiographien mit Dokumenten und Fotos nachgezeichnet.
Irene FILIP, Tochter von Leopold Baumann, der als österreichischer Freiwilliger in den Internationalen Brigaden kämpfte. Leiterin des Spanienarchivs im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.
„Streik der Diebe“ ist ein geniales Filmexposè von Jura Soyfer, das alle handwerklichen Kriterien eines solchen erfüllt und für einen jungen Mann im Alter von 24 Jahren wirklich außergewöhnlich ist. Da auf Grund übler Machenschaften des Bankenwesens die Kassen und Tresore leer sind, treten die Diebe in Streik, was den Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft zur Folge hat. Zeitgleich verlieben sich der Gentleman-Einbrecher und die Bankierstochter ineinander … und alles geht gut aus.
Georg MITTENDREIN, Gründer des Jura Soyfer Theaters in Wien und Intendant mehrerer deutscher Stadttheater, liest aus dem Exposè und seiner Dramatisierung, sowie auch aus seinem satirischen Büchlein „Der Theaterintendant, ein kleiner Ratgeber wie man es wird und möglichst lange bleibt“.
„Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.“ Viele Slogans der Nachkriegszeit nach 1945 haben dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie und Freiheit Ausdruck verliehen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und dem folgenden demokratischen Frühling etablierten sich in ganz Europa – von Portugal bis ins Baltikum – rechtsextreme antidemokratische Strömungen und Herrschaftssysteme. Autoritäre und totalitäre Diktaturen der Zwischenkriegszeit lehnten sich an das „Role Model“ Italien unter Benito Mussolini an. Ideologie, politischer Anspruch und Strategie wiesen ähnliche Strukturen, aber auch eine beachtliche Vielfalt auf. Was sind die Kernelemente des Faschismus?
Auch dem Austrofaschismus und dem Widerstand dagegen widmet Anzenberger ein Kapitel. Und er weist darauf hin, dass der Februaraufstand 1934 in Österreich als der erste militärische Widerstand gegen den Faschismus in Europa gilt. Ein Kapitel widmet der Autor dem Thema Aufarbeitung. In Österreich ging die Aufarbeitung sowohl des Nationalsozialismus als auch des Austrofaschismus schleppend vor sich. Die Kandidatur Kurt Waldheims 1986 zum Bundespräsidenten löste heftige Debatten aus… Im letzten Kapitel setzt sich der Autor mit den Begriffen: Neofaschismus, Postfaschismus und Rechtsextremismus auseinander. Er weist darauf hin, dass Rechtsextreme gerne Anleihen nehmen an historischen, faschistischen Modellen.
Montag, 4. Dezember 2023, im RC, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, Beginn: 19 Uhr
Renata SCHMIDTKUNZ
zu Gast bei „Der Aufmacher – die Medienrunde“
Die studierte Theologin ist seit 1990 Redakteurin, Filmemacherin und Moderatorin beim ORF. Von 2008 bis 2012 moderierte sie den „Club 2“, seit 2013 leitet sie die Ö1-Sendereihe „Im Gespräch“.
Mittwoch, 22. November 2023, im RC, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, Beginn: 19 Uhr
Opposition hinter Gittern
Podiumsdiskussion mit der Anwältin politischer Gefangener in der Türkei, Berfin Gökkan,
dem Völkerrechtler Ralph Janik
und dem Soziologen Kenan Güngör.
Die Türkei ist eines der Länder mit den meisten politischen Gefangenen weltweit. Eher eine Präsidialdiktatur, als eine Demokratie. Menschenrechte, Pressefreiheit und die Immunität der gewählten Repräsentant*innen oppositioneller Parteien werden täglich verletzt. Besonders trifft es die kurdische Bewegung. Die meisten der mit großer Mehrheit gewählten Bürgermeister*innen der linken, prokurdischen Partei HDP wurden willkürlich abgesetzt, viele eingesperrt und die Städte werden jetzt von autoritär eingesetzten Verwaltern regiert. Seit 2016 wurden mehr als 10.000 HDP-Mitglieder kürzer oder länger verhaftet. Verurteilungen durch den Europäischen Menschenrechtsrechtsgerichtshof (EMGR) wegen dieser, die rechtsstaatlichen Prinzipien verletzenden Praktiken ignoriert die Türkei.
Berfin Gökkan wird am Beispiel der Verurteilung der ehemalige Bürgermeisterin von Nusaybin Ayşe Gökkan zu 26 Jahren Haft über die juristischen Konstruktionen dieser Verfahren sprechen. Sie ist in Europa anlässlich der Verleihung des Anerkennungspreises der Paul Grüninger Stiftung an Ayşe Gökkan.
Die Experten Ralph Janik und Kenan Güngör erörtern, welche politischen Auswirkungen die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei für die österreichische Außenpolitik haben sollten und welche Hebel es noch gibt, um die demokratische zivilgesellschaftliche Opposition in der Türkei zu unterstützen.
Montag, 20. November 2023, im RC, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, 19 Uhr
„KAJZER“
vonMenachem KAISER
(Zsolnay Verlag)
Buchpräsentation mit Menachem KAISER
Moderation: Doron RABINOVICI
Die Geschichte seiner eigenen Familie hatte den in Toronto geborenen Menachem Kaiser nicht sonderlich interessiert, ehe er nach Polen aufbrach, ins ehemalige schlesische Industriegebiet. Dort besaßen seine Vorfahren einst ein Mietshaus, das von den Nazis enteignet wurde. Versuche einer Restitution waren bisher gescheitert. Und plötzlich befindet man sich inmitten einer abenteuerlichen Ermittlung, begleitet den Erzähler zu skurrilen Schatzsuchern, durchforscht mit ihm Keller und Tunnel, läutet an fremden Türen, beauftragt eine mysteriöse Anwältin …Vergangenheit und Gegenwart kommen einander in diesem außergewöhnlichen Erinnerungsbuch nahe.
Was bedeutet es, ein Erbe anzunehmen, und gibt es überhaupt so etwas wie historische Gerechtigkeit?
LICRA – Ligue Internationale Contre le Racisme et l'Antisémitisme – Österreich Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus 1010 Wien, Rockhgasse 1 www.repclub.at/licra licra.oesterreich2(AT)gmail.com Die LICRA in Österreich Die Mutterorganisation wurde 1928 in Paris gegründet, damals noch mit dem Namen LICA (Ligue Internationale Contre l’Antisémitisme), und zwar zu einer Zeit, in der Antisemitismus in Europa […]