Republikanischer Club - neues Österreich

Donnerstag, 16. November 2023, im RC, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien, Beginn: 19 Uhr

WANDERN NACH INNEN

Zehra ÇIRAK liest eigene Gedichte und Kurzprosatexte

Vladimir VERTLIB liest Texte des 2022 verstorbenen Autors Jad TURJMAN

Vor einigen Jahren schon wollte Vladimir Vertlib eine gemeinsame Lesung seiner beiden Kolleg:innen, der in Istanbul geborenen, heute in Berlin lebenden deutschen Autorin Zehra Çırak und des von Syrien nach Österreich geflüchteten Autors und Stand-Up Comedians Jad Turjman im „Republikanischen Club – Neues Österreich“ organisieren. Die Corona-Pandemie vereitelte dieses Vorhaben vorerst … Im Juli 2022 verunglückte Jad Turjman im Alter von nur 32 Jahren bei einer Bergwanderung tödlich. Vladimir Vertlib beschloss, die geplante Veranstaltung trotzdem stattfinden zu lassen. Die Texte seines verstorbenen Freundes und Kollegen Jad Turjman wird er selbst einleiten und vorlesen, die Veranstaltung moderieren und nach dem Leseteil ein Gespräch mit der Kollegin Zehra Çırak führen.

WANDERN NACH INNEN – das Motto dieser Veranstaltung – ist ein Zitat aus Jad Turjmans letztem Buch Wenn der Jasmin Wurzeln schlägt. Wanderung nach innen sind auch die Gedichte und Kurzprosatexte von Zehra Çırak, die sich wie Jad Turjman hintergründig, provokant und humorvoll mit der steten Wechselwirkung von Außen- und Innenwelt, mit brüchigen Identitäten, Veränderungen, Ängsten, mit Erfahrungen von Verlust und der Sinnsuche beschäftigt hat.

Zehra Çırak wurde 1960 in Istanbul geboren. 1963 zog ihre Familie nach Deutschland um. Çırak wuchs in Karlsruhe auf und lebt seit 1982 in Berlin. Die Lyrikerin und Erzählerin war früher oft gemeinsam mit ihrem 2014 verstorbenen Ehemann, dem Objektkünstler Jürgen Walter, auf Performances zu sehen. Neben ihrer Arbeit als Autorin leitet sie regelmäßig Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche. 1987 erschien ihr erster Gedichtband Flugfänger („edition artinform“, Karlsruhe), danach kamen die Gedichtbände Vögel auf dem Rücken eines Elefanten, Fremde Flügel auf eigener Schulter und Leibesübungen (alle im „Verlag Kiepenheuer & Witsch“, Köln) heraus; es folgten In Bewegung („Verlag Hans Schiler“, Berlin), 2011 der Erzählband Der Geruch von Glück sowie 2013 zusammen mit Jürgen Walter Die Kunst der Wissenschaft: Neun mal drei Stühle zu Ehren der Wissenschaften (beides ebenfalls bei Hans Schiler in Berlin). Zehra Çırak erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises 1994 und den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2001.

Jad Turjman, 1989 in Damaskus geboren, im Juli 2022 bei einer Bergwanderung tödlich verunglückt, flüchtete vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien über die sogenannte „Balkan-Route“ nach Österreich und lebte seit 2015 in Salzburg. Er war Schriftsteller, Standup-Comedian und Workshop-Leiter. Sein erstes Buch Wenn der Jasmin auswandert – die Geschichte meiner Flucht, 2019 im „Residenz Verlag“, Wien, erschienen, wurde zum Bestseller. 2021 veröffentlichte er den Roman Der Geruch der Seele. Sein drittes und letztes Buch Wenn der Jasmin Wurzeln schlägt – wie ich gelernt hatte, die Heimat in mir zu finden erschien erst nach dem Tod des Autors im September 2022.

Vladimir Vertlib wurde 1966 in Leningrad, UdSSR geboren. 1971 wanderten seine Eltern mit ihm nach Israel aus, kehrten ein Jahr später nach Europa zurück, eine längere Odyssee führte sie nach Österreich, nach Italien, in die Niederlanden und in die USA. Seit 1981 lebt Vladimir Vertlib in Österreich und ist heute in Wien und Salzburg zu Hause. Seit 1993 ist er freiberuflicher Schriftsteller. Zu seinen Büchern zählen unter anderem die Romane Zwischenstationen, Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur, Schimons Schweigen und Lucia Binar und die russische Seele (alle im „Deuticke im Zsolnay Verlag“, Wien, publiziert). Zuletzt erschien 2022 im „Residenz Verlag“, Wien, sein Roman Zebra im Krieg.
2001 erhielt Vertlib den Anton-Wildgans-Preis sowie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis.

Eine Veranstaltung des Republikanischen Clubs – Neues Österreich und der Theodor Kramer Gesellschaft zum 40jährigen Jubiläum der Zeitschrift Zwischenwelt – Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands. Mit Unterstützung des Vereins zur Förderung und Erforschung der antifaschistischen Literatur, Wien.

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