Republikanischer Club - neues Österreich
 
Der Vorstand des Republikanischen Clubs – Neues Österreich

 

Sprecher_innen: Sibylle SUMMER, Doron RABINOVICI, Jacqueline CSUSS

Kassiere: Andrea MAUTZ, Michael KOLLMER

Schriftführer_innen: Thomas WALLERBERGER, Eva DITÉ, Alexander EMANUELY

Beisitz: Brigitte LEHMANN, Ludwig LIST

Rechnungsprüfung: Peter BETTELHEIM, Friedrun HUEMER

ZVR-Zahl: 169411526

 

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Wollen Sie regelmäßig über das Programm des RC informiert werden, schreiben Sie eine email an office@repclub.at

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History of Republikanischer Club – Neues Österreich

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VON DER KUNST DER NESTBESCHMUTZUNG

LÖCKER VERLAG

Brigitte LEHMANN, Doron RABINOVICI, Sibylle SUMMER (Hg.),

Von der Kunst der Nestbeschmutzung Dokumente gegen Ressentiment und Rassismus seit 1986

ISBN 978-3-85409-496-8, 2009

Die Auseinandersetzung rund um Kurt Waldheim markierte einen Wendepunkt in Österreich. Was vor mehr als zwanzig Jahren das Land umtrieb, wirkt bis heute weiter. Über den damaligen Wahlkampf, über die antisemitischen Töne, über die verschiedenen Anschuldigungen, über den einstigen Bundespräsidenten mag immer noch kein Konsens erzielt worden sein, aber unstrittig ist die Bedeutung jenes Jahres 1986 als Zäsur. Der Mythos, Österreich sei nichts als das erste Opfer Hitlers gewesen, wurde obsolet. Die österreichische Beteiligung am Nationalsozialismus und seinen Verbrechen wurde erörtert. Mit Jörg Haider trat ein neuer chauvinistischer Populismus zutage, der die politische Kultur nachhaltig verändert hat. Wenn entblößt wird, dass H.C. Strache an rechtsextremen Wehrsportübungen beteiligt war, dann handelt es sich hierbei nicht um Überholtes. Die entzweite Republik wurde zum Ursprung zivilgesellschaftlicher Bewegung. Dieser Sammelband zeichnet jene Kämpfe nach, die immer noch nicht ausgefochten sind. Ins Zentrum des Blicks gerät dabei der Republikanische Club – Neues Österreich, der da-mals entstanden ist und zu einem Fokus für neue zivilgesellschaftliche Bewegungen wurde. Dabei kommen neue, teils unbekannte Aspekte zum Vorschein. Das Themenspektrum des Engagements – sowie der hier präsentierten Beiträge – reicht weit über die Betrachtung und Einschätzung der vergangenen, zeithistorischen Geschehnisse hinaus.

Mit Beiträgen von Brigitte Bailer-Galanda, Di-Tutu Bukasa, Isolde Charim, Eva Dité, Johanna Dohnal, Alexander Emanuely, Hagen Fleischer, Elfriede Jelinek, Udo Jesionek, Robert Knight, Kuno Knöbl, Peter Kreisky, Ferdinand Lacina, Silvio Lehmann, Sophie Lillie, Ariel Muzicant, Doron Rabinovici, Kurt Rothschild, Heide Schmidt, Renata Schmidtkunz, Mary Steinhauser, Sibylle Summer, Heidemarie Uhl, Andreas Wabl, Martin Wassermair.

 

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Beitrag im Profil über den Republikanischen Club – Neues Österreich von Christa ZÖCHLING, erschienen am 31. Oktober 2016:

http://www.profil.at/oesterreich/republikanischer-club-waldheim-fpoe-hofer-7667056

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Doron RABINOVICI in Aktion. Foto: Wladimir FRIED


Presseaussendung am 19.4.2012 aus Anlass der Umbenennung des Dr. Karl-Lueger Ringes

Titel: "Langjährige Forderung nach Umbenennung des Dr. Karl-Lueger Ringes erfüllt"

Wien (OTS) – "Eine 20-jährige Forderung des Republikanischen Clubs – Neues Österreich wurde erfüllt. Es ist eine große Freude, dass Wien sich der Erinnerung stellt und ein Zeichen gegen rassistischen Populismus und Antisemitismus setzt."  Doron RABINOVICI 

 

Flugblatt des Republikanischen Clubs aus dem Jahre 1989 mit Lueger Zitaten und einem Aufruf, den Dr. Karl Lueger Ring in Dr. Sigmund Freud Ring umzubenennen

 

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Lionel JOSPIN, ehemaliger franz. Premierminister war am 16.4.2012 zu Gast im Republikanischen Club – Neues Österreich auf Einladung der sozialdemokratischen Auslandsfranzosen

 

Lionel JOSPIN zu Gast in den Clubräumen des RC mit Sibylle SUMMER und Alexander EMANUELY

 

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Helene MAIMANN und Doron RABINOVICI erhielten am 31.5.2017 die Rosa-Jochmann-Plakette.

 

 

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Pressemitteilung des Republikanischen Clubs vom 12.7.2011

 

Stellungnahme des Republikanischen Clubs – Neues Österreich zu den Trauerfeierlichkeiten für Dr. Otto Habsburg Private Beisetzung oder Staatsbegräbnis?

Bei allem Respekt vor der Trauer der Familie und dem Verständnis für deren Wunsch, die Beisetzung Otto Habsburgs so feierlich wie möglich zu gestalten, muss es doch verwundern, wenn höchste Amtsträger der Republik öffentlich erklären, nicht als Privatpersonen, sondern in ihren öffentlichen Funktionen an der Beisetzung teilnehmen und dabei die Republik vertreten zu wollen, zumal der Verstorbene in der Republik Österreich keine öffentlichen Ämter und Funktionen ausgeübt hat. Dadurch und vor allem auch durch die offiziell verfügte Präsenz der Garde des Bundesheers entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um ein Staatsbegräbnis handeln könnte. Für ein solches kann jedoch der Grad der Prominenz des Verstorbenen kein Maßstab sein.

Alexander EMANUELY, Sibylle SUMMER, u.a. für den Vorstand des Republikanischen Clubs

 

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IN ERINNERUNG AN ARI RATH

 

Kurz nach seinem 92. Geburtstag hörte Ari RATHs Herz am 13. Jänner 2017 für immer auf zu schlagen. Ari RATH war großzügig, liebenswert und sehr engagiert – ein großer Aufklärer im besten Sinne. Er hielt bis zuletzt engen Kontakt zu seinen Weggefährten und Freunden und trat im Rahmen des Projekts „Die letzten Zeugen“ von Doron RABINOVICI und Matthias HARTMANN auf den großen Theaterbühnen auf. Er wird uns allen sehr fehlen.

 

Am 29. Jänner 2017 fand im Akademietheater eine Matinee zur Erinnerung an Ari RATH statt:

Das Burgtheater und das Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog haben mit Unterstützung durch die Israelitische Kultusgemeinde Wien und den Republikanischen Club – Neues Österreich zu einer Gedenkveranstaltung für Ari RATH geladen.

ARI RATH. Zur Erinnerung 29.1.2017

Gedenkrede von Doron RABINOVICI: Gedenkrede für Ari Rath

 

Erinnerungen an Ari RATH im RC:

Aufzeichnung der Veranstaltung im RC, "ARI HEIßT LÖWE" am 28. November 2012:

 

Und Erinnerungsfotos:

 

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WIR TRAUERN UM PETER KREISKY

Er war ein enger Freund, er war einer der Gründer, ein Vorstandsmitglied und ein Mentor des Republikanischen Clubs – Neues Österreich.

Peter setzte sich für die Erinnerung an die Vergangenheit ein, ohne darüber die Vision für die Zukunft zu vergessen. Sein Engagement galt dem Werden einer solidarischen Gesellschaft, sein Augenmerk gehörte dem einzelnen Menschen, der Hilfe braucht. Er kämpfte gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und für eine Welt jenseits der Ressentiments. Sein Horizont reichte weit über die Grenzen Österreichs hinaus.

Er wird uns sehr fehlen.

Peter BETTELHEIM, Jacqueline CSUSS, Alexander EMANUELY, Michael KOLLMER, Kuno KNÖBL, Brigitte LEHMANN, Silvio LEHMANN, Andrea MAUTZ, Katarina NOEVER, Elisabeth ORTH, Doron RABINOVICI, Mary STEINHAUSER, Sibylle SUMMER, u.v.m.

 

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Rede von Doron RABINOVICI anlässlich der Trauerfeier für Peter Kreisky am 18. Jänner 2011

Was uns heute zusammenführt, schnürt einen zu. Es ist noch unbegreiflich und tut so weh, auszusprechen, dass unser Peter Kreisky nicht mehr sein soll. Er fehlte doch nie, wenn es darum ging, füreinander einzustehen und miteinander aufzutreten. Mir ist, als müsste zwischen uns noch der Eine sein, als müsste er, so, wie es seine Art war, das Antlitz voller Feingefühl und Aufmerksamkeit, die Augenbrauen hochgezogen, die Stirn in Falten, hier irgendwo zu finden sein. Er würde sich nicht nehmen lassen, wenn nötig, die eine oder andere Beifügung zu machen, um anzumerken, was allzu gern verschwiegen wird. Er fügte sich der Kirchhofstille nie. Peter wusste, dass wahre Harmonie bloß dort aufkommen kann, wo Dissonanz nicht unterdrückt wird. Er war einfach unverzichtbar, wenn es galt, Erstarrung aufzuweichen, Missstände zu benennen und Protest zu erheben. Wie schmerzhaft, nicht mit ihm gemeinsam das Jubiläum von Bruno Kreisky zu feiern. Ich kann mir gar nicht vorstellen, in diesem Frühling den ersten Mai zu begehen, ohne Peter mit seinem Fahrrad entgegenkommen zu sehen, ohne ein Flugblatt aus seinem Rucksack zu erhalten oder einen Artikel von ihm zu bekommen über Entwicklungen, Nöte oder Initiativen, ob in Wien, Madrid oder Montevideo. Peter war die Personifikation einer österreichischen Art der Neuen Linken, die gegen die alte Sozialdemokratie zwar aufbegehrte, doch nie mit ihr brach. Er blieb der Partei treu, ohne sich ihr zu unterwerfen. Die Parole der Achtundsechziger, alles Private sei politisch und alles Politische privat, bestimmte sein Denken und sein Dasein. Für ihn war jedes Problem mit allen anderen verknüpft. Er mistraute jener Ausschließlichkeit, die nur von einer einzigen Hauptfrage wissen will. Peter glaubte nie, mit einem Schlag könnte alles Heil der Welt erreicht werden. Er spielte das Große und Ganze nicht gegen das Kleine und Gebrochene aus. Letztlich war das wohl auch der Grund, weshalb er sich kaum je kurz zu fassen wusste, schon gar nicht, wenn er gedrängt wurde, endlich zum Punkt zu kommen, denn sein Punkt war ja, uns zu verdeutlichen, dass es diesen einen und einzigen Punkt, auf den alle Probleme gebracht werden sollen, gar nicht gibt. Die These von der gesellschaftlichen Komplexität war der rote Faden seiner Überzeugung. Er führte neue Vokabel in die österreichische Diskussion ein. Von ihm konnten Begriffe gelernt werden, die in anderen Ländern erst vor kurzem aufgekommen waren. Er sprach von Radikaldemokratie, von Streitkultur oder von Vernetzung, und zwar lange, bevor diese Wörter abgenutzt waren. Peter Kreiskys Blick reichte weit über den Horizont dieses Landes hinaus. Ich sah ihn das erste Mal in den Siebzigern. Wir, einige Mitglieder einer jüdisch linken Jugendbewegung, besuchten eine sozialistische Veranstaltung, und vor uns saß Peter Kreisky. Zu meinem Erstaunen kannte er nicht bloß unsere Gruppe, sondern die verschiedenen Strömungen der israelischen Linken. Sein Wissen schien mir unendlich. Nicht wenige von uns stritten mit unseren Eltern über die Gegenwart, als entschieden sie oder wir die Regierungszusammensetzung oder die Steuerpolitik, aber Peter disputierte am Mittagstisch tatsächlich mit dem Bundeskanzler. Bei ihm war alles Private wirklich politisch. Viele Kinder solcher Persönlichkeiten ziehen aus ihrer Herkunft den falschen Schluss, bloß in Mächtigen gleichwertige Gesprächspartner und Menschen zu sehen, doch bei Peter war es genau umgekehrt. Er sah in jedem Menschen einen Gesprächspartner, und er redete mit dem Einzelnen, als wäre dieser Eine entscheidend. Vielleicht beweist diese Eigenschaft seine Verbundenheit mit dem Vater, denn die Freude am egalitären Dialog zeichnete auch Bruno Kreisky aus, und beiden war gemein, nicht im Namen der Menschheit den Menschen zu vergessen. Während aber Bruno Kreisky aus seinen Erfahrungen mit dem Faschismus gelernt hatte, wie wichtig es war, die Demokratie von oben zu sichern, ging es Peter als Achtundsechziger darum, diese Demokratie mit Leben zu füllen, und er wollte an einer Demokratie von unten wirken. Er sah sie nicht allein als bloße Staatsform, sondern als Prozess permanenter Ausweitung. Zugleich vergaß er nie, was sein Vater durchgemacht hatte, und ihm war klar: sie Freiheit zu schützen, heißt, sie gegen den Rechtsextremismus und gegen Rassismus zu verteidigen. Ich möchte in einem Punkt manchen der vielen Nachrufe der letzten Tage widersprechen, denn im Unterschied zu anderen glaube ich nicht, dass es richtig ist, zu sagen, Peter sei zeit seines Lebens im Schatten seines Vaters gestanden. Viel eher meine ich, beide waren sie vom selben Licht erfüllt, von der Aufklärung und von der Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft. Sie beide standen auf ihre besondere Weise für jeweils eine Generation der heimischen Linken und repräsentierten verschiedene Aspekte ein und derselben Vision. Peter Kreisky sprach bei aller Kritik immer voller Liebe von seinem Vater, doch längst hatte er zu eigenständigen Wegen gefunden, war selbst Vater eines jungen Mannes und eine eigene, unabhängige Persönlichkeit. Er ließ sich nicht verbiegen, um Karriere zu machen. Er nahm sich und sein Engagement zwar ernst, aber nicht zu wichtig, und deshalb erinnern sich viele, wie er Flugblätter verteilte. Er war sich nie zu gut dafür. Er selbst wusste durchaus über seine Eigenheiten zu schmunzeln. Es wäre dennoch nicht in seinem Sinne, einen wunden Punkt hier zu verschweigen: Viele hatten mit den Jahren verlernt, Peter Kreisky gebührend zu schätzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Mit seinem Engagement erinnerte er viele an jene frühen Träume der Sozialdemokratie, die von nicht Wenigen nur allzu gerne ausgeblendet werden. Er war das wandelnde und radelnde Mahnmal ihres schlechten Gewissens. Mit seiner Beharrlichkeit störte er sie auf, denn er konnte ja auf alle zugehen, ob sie auf der Tribüne standen oder im Spalier. Er war nie auf Ehrungen aus, aber es hätte ihm gut getan, manche der ihm jetzt erteilten Anerkennungen noch vor seinem Tod zu hören. Und er hätte es verdient. Peter Kreisky war ein Bindeglied zwischen dem sogenannten Fußvolk und dem vermeintlichen Kopf der Bewegung. Ihn konnte jeder ansprechen. Ich muss daran denken, wie er am 1. Mai von irgendeinem Fremden gefragt wurde, ob es denn seinem alten Vaters gut gehe oder welche Chance er für die Linke sehe. Auf jeden ging er ein. Er stellte sich allen Fragen, ließ sich aber nie einschüchtern, sobald er überzeugt war, Stellung beziehen zu müssen. Peter Kreisky war die kürzeste Verbindung zwischen Eigensinn und Sanftheit. Er konnte zornig werden, wenn er Ungerechtigkeit vermutete, aber dann überraschte er uns gleich wieder mit seiner Versöhnlichkeit. Selbst wenn ihn einer attackierte, versuchte er, sich in den Anderen einzufühlen. Er wird uns nicht nur als Mitstreiter fehlen. Wir haben einen so liebevollen und so liebenswerten Menschen verloren, einen Freund, der mutig und großmütig zugleich war. Wo Peter Kreisky auftrat, da war Bewegung, und eben deshalb ist es so unvorstellbar, dass er nicht mehr ist. Aber wäre jetzt nicht einer jener Momente, in denen Peter sich zu Wort melden würde, um zu widersprechen? Würde er denn nicht auch hier und heute von neuen Ungerechtigkeiten berichten? Würde er nicht, so, wie er es immer tat, von der Notwendigkeit des Engagements reden? Doch das hätte er wohl getan, weil Peter überall dort, wo Bewegung für mehr Demokratie entsteht, nicht ganz fehlen wird. Peter Kreisky wird da sein, sobald wir in seinem Sinn wieder einmal zusammenfinden. Und wir werden nicht anders können, Peter, als dabei Dich mit und mit Dir zu denken, werden an Dich denken, an unseren Peter, und wir werden Dich, mein Lieber, so sehr vermissen.


Anbei ein Text von Peter KREISKY, eine zeitgeschichtliche Reflexion, erschienen im Sammelband „Von der Kunst der Nestbeschmutzung“ (Hg. Brigitte Lehmann, Doron Rabinovici, Sibylle Summer; Löcker Verlag)

Text von Peter Kreisky

 

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Wir trauern um Ilse M. ASCHNER 

 

Gestern, 10. Oktober 2012 ist Ilse M. ASCHNER im Alter von 94 Jahren gestorben. Sie war Journalistin, Mitglied der Grazer Autoren und Autorinnen Versammlung. Seit Beginn der 1990er Jahre wirkte sie im Ersten Wiener Lesetheater entscheidend mit. Viele Jahre war sie im Vorstand des Republikanischen Clubs – Neues Österreich. Ilses Engagement, Humor und Liebenswürdigkeit werden uns fehlen.

 

Sibylle SUMMER und Doron RABINOVICI für den Vorstand

 

 

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12. August 2012

WIR TRAUERN UM KUNO KNÖBL

Wir trauern um Kuno Knöbl. Er ist gestern nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Kuno war nicht nur ein guter Freund, sondern der geistige Vater der Bewegung "Neues Österreich". Er kämpfte gegen das Verdrängen und Vergessen der nationalsozialistischen Vergangenheit. Er war einer der Gründer des Vereins "Republikanischer Club – Neues Österreich". Kuno hatte auch den Einfall für das einmalige politische Kunstwerk, das als "Waldheim – Holzpferd" zum Symbol unserer Bewegung wurde.

Er war voller Ideen und Elan; ob als einer der Initiatoren moderner Sendungen wie etwa Club 2, als Autor oder als politischer Intellektueller. Es ging ihm immer wieder um neue Formen der kritischen Auseinandersetzung.

Vor allem aber war er ein liebenswerter Mensch.

Kunos Kreativität, Witz, Engagement und Leidenschaft werden uns sehr fehlen.

In lieber Erinnerung an Kuno Knöbl

Sibylle SUMMER und Doron RABINOVICI

Unter "Geschichte" finden sich 2 Artikel von Kuno KNÖBL auf dieser Homepage

 

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Rede von Peter LODYNSKI am 24.8.2012
Abschied von Kuno KNÖBL

Dein Tod wirft einen Schatten auf uns Hinterbliebene. Wir zwei beispielsweise sind gleich alt. – Da wird man nachdenklich, wie eine Eintagsfliege am Spätnachmittag… Genau 50 Jahre kennen wir einander – vielleicht Anlaß zu einem kurzen Rückblick:

Im Graz gründest Du das Studentenkabarett "Der WÜRFEL" – Du warst Initiator! Als Bronner mit Qualtinger auseinander ging, holte er den Würfel nach Wien. Es war ein Riesenerfolg. Die Wiener waren von der neuen, frischen Art Kabarett zu machen begeistert. Bald darauf trafen wir einander. Auch ich machte einen kabarettistischen Probegalopp mit Studenten der Theaterwissenschaft und Schauspielschule. Im Theater am Kärntnertor spielten wir das erste gemeinsame Programm, auch eines in der Fledermaus. Doch wir wollten die von Bronner vorgegebene Linie nicht fortsetzen. Wir hatten gleiche Ansichten über Kabarett und beschlossen, ein eigenes Theater zu eröffnen. Dann waren wir ein Jahr lang betteln. Sponsoren, Subventionen waren Fremdworte. Im Dezember 1963 eröffneten wir den Wiener Würfel in der Himmelpfortgasse. Ohne Dich hätte ich das nie geschafft: Du warst Macher!

Du hattest auch Mut: Du schriebst Deine Conferencen eineinhalb Tage vor der Premiere. Wir zitterten in der Gaderobe, ob es gut rüber käme – es kam! Obwohl wir bald unser Publikum hatten, mußten wir zusätzlich arbeiten, um anfangs die Kosten zu decken. Ich war Redakteur im "Neuen Österreich", Du warst zunächst Redakteur in der Kronenzeitung. Mein Herz hing nie an der Zeitungsarbeit, Deines schon- Du warst Journalist! Journalist mit Leib und Seele. Lang hieltest Du es all abendlich als Kabarettist und Conferencier nicht aus. Das Fernsehen rief und Du folgtest. Rasch erkannte man dort Deine Fähigkeiten und machte Dich zum Unterhaltungschef. Wir vom Würfel fanden in Günter Tolar einen blendenden Nachfolger.

Unter Deiner TV-Ägide wurden kreative Serien entwickelt, Du warst ein trefflicher Katalysator, erfandest auch selber Formate wie CLUB 2 oder WÜNSCH DIR WAS und vieles andere. Du warst Erfinder! Unter Deiner Führung entstand auch "Lodynskis Flohmarkt Company". Du wurdest auch Fernsehspielchef, aber auch nur eine Weile: Du warst KEIN Sesselkleber!

Dein journalistisches Herz meldete sich wieder: Du gingst nach Vietnam in den Krieg, um Bericht zu erstatten: Dein Buch "Victor Charly Vietkong der unheimliche Feind" wurde zum Bestseller, vielfach übersetzt.

Du warst auch Abenteurer! Du führtest ein erfülttes Leben, bis Dich Deine Krankheit ans Bett fesselte. Bei meinem Besuchen bewunderte ich Deinen klaren Kopf, Dein Wissen auf dem letzten Stand, Deine treffsicheren Folgerungen und klugen Einschätzungen…

Die Krankheit ist jetzt vorbei. Wir danken Dir für Deinen Ideenreichtum. Möge es Dir gut gehen, wo Du bist.

(die weiße, hold Erblühende, die leg ich Dir aufs Herz)

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Rede von Doron RABINOVICI am 24.8.2012

Abschied von Kuno KNÖBL

Wir alle hier wußten seit Jahren von seinem Leiden. Die Nachricht von seinem Tode traf viele von uns dennoch unerwartet. Ich wollte es erst nicht glauben, und der Grund dafür liegt für mich auf der Hand. Kuno Knöbl ist seiner Krankheit erlegen, aber unterkriegen ließ er sich von ihr nie. Im Gegenteil. Selbst als der Rücken gekrümmt war, behielt Kuno Haltung. Er mokierte sich über die eigenen Schwierigkeiten, um bloß kein Mitleid aufkommen zu lassen. Er machte nie viel Aufsehen um sich. Er bedachte sogar das allmähliche Erlahmen der Beine mit Spott. Seine Umgebung sollte nicht vor ihm erschrecken und seine Freunde durften ihn nicht bedauern, sondern mit ihm die Widrigkeiten verlachen lernen.Die Ironie war seit jeher seine beste Medizin, und die darf bekanntlich ruhig ein wenig bitter schmecken, so sie nur gut wirkt. Das Schwülstige war nicht sein Fach. Er hatte einfach keine Zeit, dem Überschwenglichen nachzuhängen, denn er war immer neuen Ideen auf der Spur. Noch 2009 – zum Schluß bereits bettlägerig – arbeitete er mit an unserem Buch „Von der Kunst der Nestbeschmutzung“.


Säße Kuno jetzt hier, den Kopf schief, die Zigarette in der Hand, den Schalk in den Augen, würde er, sein leichtes Hüsteln zur Einleitung, sich allzu Pathetisches verbitten und auf das Wesentliche drängen. Ich sehe ihn vor mir. An drei Fingern zählte er immer ab, worum es gehen sollte: „Erstens, Zweitens, Drittens.“ und dann fragte Kuno in die Runde, wie von dem Einen zum Nächsten und von da zu einem Schluß, zur Quintessenz zu gelangen sei.Im Protest gegen das heimische Ressentiment lernte ich ihn kennen. Er war der geistige Vater des Vereins „Neues Österreich“. Er schrieb sein Stück „Der Herr Kurt“. Er hatte die Idee zu jenem Holzpferd, das zum Wahrzeichen gegen die Vergangenheitsverleugnung wurde. Ich war ein junger Student, und er war längst eine Legende. Wir, die Jüngeren, genossen seine Erfahrung und seine Jugendlichkeit, seine Einfälle und seine Nüchternheit, seine Eleganz und seine Courage, denn er, der Angestellte in der öffentlich rechtlichen Anstalt, scheute nicht die Konfrontation mit seinen Vorgesetzten.


Als Kind schon, lange, ehe ich von ihm wußte, hatte er mich bereits in Bewegung gebracht. Ich rannte durchs ganze Haus, drehte überall das Licht an, um so für eine der Familienmannschaften in der Show „Wünsch Dir was“ zu optieren. Der Energieanstieg in den Haushalten zeigte den Publikumsentscheid an. Ein ganzes Land stand unter Strom. Jahre, bevor irgendwer von Interaktivität und Internet sprach, träumte und arbeitete Kuno Knöbl an einem Medium der wechselseitigen Verständigung und der Partizipation. Er sprengte die Enge der Zeit. Er war nicht nur ein Fernsehmacher, sondern immer auch ein Televisionär.


Er zeigte, wie geistreich Unterhaltung und wie spannend Auseinandersetzung sein konnte. Ihm ging es bei allen Unternehmungen, darum, uns das Denken nicht zu ersparen, sondern zu erleichtern. Er schreckte nicht vor der Masse zurück, aber er lieferte sich ihr nicht aus. Er strebte nach einer Öffentlichkeit, die sich nicht der Nivellierung und nicht der Quote unterwirft. Kein Wunder, wenn er mit seinen Ideen zusehends in Widerspruch zu den politischen Verhältnissen geriet. Wo einst Aufklärung war, hat heute nur Entblößung zu sein. Was als radikales Experiment begann, gerät zum spießigen Exhibitionismus, was früher eine interessante Wendung bedeutete, verkommt zum billigen Dreh.


Aber Kuno gab nicht klein bei. Im Gegenteil: Er wollte nicht tatenlos zusehen, wie ein ganzer Staat zu einem einzigen Musikantenstadl verdumpft, und nicht, wie die Feschperchten die Macht erstürmen. Er nahm den Kampf auf gegen die Engstirnigkeit und gegen den Mief. Seine Geistesgegenwart zwang ihn, gegen die Vergangenheitsverleugnung Stellung zu nehmen. Er antwortete den Scharfmachern mit seinem Scharfsinn.


Er spielte sich dabei nie in den Vordergrund. Ihm war es wichtiger, andere zu ermutigen. Es dauerte Jahre, bis Kuno etwa erzählte, wie er im Gespräch mit Paul Blaha, Peter Turrini und Alfred Hrdlicka die Idee für das Holzpferd geboren hatte. Damals hatte Kuno vorgeschlagen, dieses trojanische Pferd zum Sinnbild der gallopierenden Schwindelsucht und der unverdrossen sturen Geschichtsverlogenheit zu machen. Aber Kuno berichtete nicht etwa deshalb davon, weil es ihm darum ging, die eigene Urheberschaft zu sichern. Er wollte bloß beweisen, wie dieses demokratische Mahnmal als kollektives Werk entstanden war, als mobiles Monument einer Bewegung.

In den letzten Tagen sind viele Bekannte verwundert, was Kuno Knöbl alles anregte. Einige, die in der Zeitung auf einen Nachruf stießen, fragen mich, ob denn die langen Aufzählungen seiner so unterschiedlichen Erfolge stimmen können. Kann einer, wollen insbesondere Jüngere wissen, wirklich Kabarettist, außenpolitischer Redakteur, Amerikakorrespondent, Kriegsberichterstatter, Publizist, Jugendbuchautor, Seefahrer auf der Tai Ki, einer Dschunke, mit der er versuchte, den Atlantik zu überqueren, Unterhaltungschef, engagierter Intellektueller und immerzu ein Abenteurer, ein Entdecker sein? Sie bestaunen seine Vielfalt, mit der er gegen die bornierte Einfalt zu Felde zog. Aber in keiner der öffentlichen Würdigungen werden wir, die wir Kuno kannten, von der besonderen Großzügigkeit unseres Freundes lesen, von seinem feinen Stil und von seiner ganz eigenen Lebenslust, die immer auch eine Todesverachtung im wahrsten Sinne des Wortes in sich trug.

Immer, wenn Kuno mit allen Übrlegungen bisher unzufrieden war, legte er den Kopf schief, kniff die Augen enger und bewegte die Lippen, als schmecke ihm etwas zu schal, und dann sagte er: „Das ist es noch nicht.“ Das waren die Momente, in denen er wieder einmal einem Einfall auf der Spur war, und genau so würde er uns auch jetzt anspornen, denn erstens gibt es doch vieles, das es einfach noch nicht ist, das nicht so sein darf, und du, Kuno, lehrtest uns, sich nicht mit den Widrigkeiten abzufinden, sondern Neues zu wagen, und zweitens warst du als Freund und als Visionär, ja, mit deiner ganzen Persönlichkeit eine Inspiration, doch drittens wirst du es weiterhin sein, und so sehr du auch fehlst, wirst Du mir, wirst du uns Mut machen, mit dir weiterzudenken. Dafür danke ich dir.



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Rede von Peter HUEMER am 24.8.2012

Abschied von Kuno KNÖBL

Ja, das ist ein trauriger Tag trotz strahlendem Wetter. Wir verabschieden uns von einem Menschen, der uns sehr viel bedeutet hat. Ich hatte Kuno als Kollegen im ORF kennengelernt, der ganz schnell mein Freund wurde. Davon will ich reden. Kuno hatte den Club 2 erfunden und mit den ORF-intern üblichen Argumenten auch durchgesetzt: Das kostet nichts, dafür braucht man niemanden zusätzlich, das geht ganz nebenbei. So begann es, Rubina war dabei. Drei Monate später wurde ich gefragt, ob ich die Leitung der Sendung übernehmen will. So wurde Kuno als Chefredakteur mein Vorgesetzter – leider nur für wenige Jahre – und er wurde, wie schon gesagt, in kurzer Zeit mein Freund. Die Zusammenarbeit mit ihm war wundervoll. Ich will Ihnen das an einem Beispiel zeigen: Eines Tages haben wir, über dies und jenes redend, einen möglichen Club 2 erfunden und uns eine mögliche Zusammensetzung überlegt. Kuno hat vorgeschlagen: „Da sollten wir die Romy Schneider einladen.“ Und ich habe geantwortet: „Gute Idee, geht aber leider nicht, weil sie tot ist.“ Und Kuno hat darauf gesagt: „Das is mir wurscht!“

Verstehen Sie mich recht, wenn Sie mit so jemandem zusammenarbeiten, dann sind Sie im Paradies. Übliche Chefs, nicht nur im ORF, aber dort auch, profilieren sich als Bedenkenträger: Vorsicht! Da muss man aufpassen! Was wird der oder was könnten die dazu sagen? Und so weiter. Kuno war das genaue Gegenteil. Mit ihm konnte man wundervoll phantasieren und nie war es gut genug. Nie ging es um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern immer um den vielzitierten unmöglichen Traum. Das hat seine gesamte Arbeit im Fernsehen ausgezeichnet. Man soll mit Superlativen sparsam sein, aber: im Erfinden von Fernsehideen war Kuno genial, seine Kreativität nahezu unerschöpflich. Der ORF hat ihm unendlich viel zu verdanken.

Über den politischen Menschen Kuno Knöbl, über das Holzpferd aus der Waldheimzeit, über den Republikanischen Club und über den Intellektuellen wird Doron sprechen. Was Kuno ausgezeichnet hat, war, dass sein Denken keine Schranken kannte. Und dass er in der Realität auch keine akzeptieren wollte. Das hat ihm – und auch seiner Familie – das Leben nicht gerade leichter gemacht, weil er manchmal damit auch kostspielig gescheitert ist. Weil er nicht nur groß gedacht hat, sondern auch umsetzen wollte – was nicht immer ging. Er hat sich nicht damit beschieden, ein brillanter Intellektueller zu sein. Denn das war er, aber es war ihm nicht genug.
Und noch etwas will ich sagen: Er war ein loyaler Freund. Bei einem meiner letzten Besuche hat er mir schwerkrank zum Abschied den Rat mit auf den Weg gegeben: Carpe diem! Diesen Rat von Kuno will ich an Sie weitergeben: Nützen Sie die Zeit, die Ihnen bleibt! Das lässt er Ihnen allen sagen. Und vergessen Sie ihn nicht!

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Rede von Johannes KNÖBL am 24.8.2012

 

Etwa s wofür ich meinen Vater immer – ganz und unbedingt – bewundert und geliebt habe, war seine Klarheit in philosophisch-weltanschaulichen Dingen: In Zusammenhängen zu denken – so weit es unser Stand des Wissens erlaubt – und so zu versuchen ein möglichst großes Bild zu sehen. So konnte man in Gesprächen mit ihm immer wieder diesen Punkt erreichen, als stünde man an einem sonnigen Wintertag auf einem Berg – und er lebte vor, sich dabei nicht um die Kälte zu kümmern, sondern über dem Nebel der Illusionen stehend, den klaren, weiten Blick zu genießen. Es ist, was es ist. Das macht diesen Augenblick, wo wir uns gemeinsam von ihm verabschieden, nicht einfacher. So wie er dachte – und so wie er mich erzogen hat – kann ich also nicht glauben, dass er von einem Wolkerl zu uns herunter schaut – oder dass ich ihn irgendwann – in irgendeinem Himmel wiedersehe … aber: Ich habe ihn gesehen! Sein Tod war auch keine Erlösung – denn er hat unbedingt und leidenschaftlich gerne gelebt – bis zum Schluss. Ich habe ihn gesehen – und es war bewundernswert mit welchem Mut und welcher Geduld er Krankheit und Alter trotzte – wie sehr er die Kostbarkeit der Lebenszeit achtete. Den Abschied feiern wir für uns, die wir leben – die ihn gesehen haben. Und es ist schön wenn wir heute – oder bei anderer Gelegenheit – die Erinnerungen an ihn miteinander teilen. Denn was Trost spendet ist auch etwas, dass ich von Konrad gelernt habe: das bewusste genießen von Augenblicken, die jede Frage nach dem Sinn völlig selbstverständlich beantworten – die Wertschätzung des Lebens durch die Erinnerung an sie – und die Freude, all das miteinander zu teilen. Ich habe ihn gesehen – oft – wie er vom Garten in das Haus stürmte und rief: „Komm – schnell! Schau!“ – als wäre die größte Sensation zu sehen. Dann standen wir draußen und schauten den Mond an – und er hatte recht: es war eine Sensation! Wie unscheinbar diese Momente sein können – wie unerwartet sie uns manchmal begegnen – darüber haben wir öfter gesprochen. Eines der Bilder, die er dabei erwähnte, möchte ich mit euch teilen – nicht zuletzt weil es erklärt, warum ich mich sehr freue, dass mein lieber Freund Reinhard diese Feier musikalisch begleitet: Es war ein strahlender Sommertag – wie heute. Ich war mit Freunden in sein Haus in Weigelsdorf gekommen, um ein Fest zu feiern – eine Art Theaterstück, das in Brasilien der 20er-Jahre spielte. Wir waren hektisch mit den Vorbereitungen beschäftigt – Konrad freute sich über das Leben im Haus und ließ uns einfach gewähren. Er setzte sich mit einem Häferl Nescafe auf die Terrasse und las die Zeitung.

Reinhard nutzte inzwischen einen Moment der Ruhe, um bei offenem Fenster mit seinem Streichquartett für den Abend zu proben. Konrad wurde von der Musik völlig überrascht. Er legte die Zeitung beiseite und hörte zu, während er hinaus in den Park auf die alten Platanen schaute … und ich habe ihn gesehen: er strahlte!


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Demokratischen Offensive am Ballhausplatz

 

Rede von Johanna DOHNAL

am Stephansplatz vom 19.2.2000

Liebe, sozialschmarotzende Notstandshilfebezieherinnen und künftige Zwangsarbeiterinnen, verantwortungslose berufstätige Mütter, pensionsgekürzte Frühpensionistinnen Liebe, hormonprivilegierte Frauen ohne österreichischen Paß, staatskeimzellenzerstörende Alleinerzieherinnen und weit unter den Männerlöhnen verdienende, unanständige und faule Frauen! Liebe instrumentalisierte Schülerinnen, und im Faulbett der Subventionen liegende Künstlerinnen! Das ist die Sprache, die in einem Land gesprochen wird, in dem Regierungsmitglieder durch unterirdische Gänge zur Angelobung gingen! Das ist die Sprache in einem Land, in dem die regressive und negative Haltung gegenüber den Fortschritten der Frauenbewegung sichtbar wird. Neuerdings wird diese Sprache geändert. Die Wut auf die wachsende Unabhängigkeit von Frauen wird hinter dem Banner der "Familienrechte" und "Familienfreundlichkeit" versteckt. Die loyalen Trümmerfrauen, die aggressiven Feministinnen und die verbitterten Emanzen, sind sich einig im Engagement für eine Welt, in der es kein oben oder unten, kein hochwertig oder minderwertig, kein abhängig oder unabhängig, keinen Sexismus als eine Abart des Rassismus gibt. Wir wissen, daß die gesetzlichen Garantien für Bürgerinnenrechte solange nicht wirksam werden, wie rassistisches und sexistisches Gedankengut grassiert. Lieber Herr Bürgermeister! Ja, diese Bundesregierung regiert gegen den kleinen Mann! Mittlerweile fühle ICH mich schon wie ein mieselsüchtiger Koffer, weil ich schon wieder darauf hinweisen muß, daß Du die Frauen vergessen hast – ob klein oder groß. Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ja, es gibt Erklärungsbedarf! Sie sprechen von "heiligen Werten" und Sie sagten, Sie seien froh darüber, daß Sie über eine gute Gesprächsbasis mit verantwortlichen Personen in diesem Europa und darüber hinaus verfügen. Aber bitte erklären Sie nicht, daß die Täuschung von Wählerinnen und Wählern ein demokratisches Recht ist. Wir sind Demokratinnen genug um zur Kenntnis zu nehmen, daß über eine Million Österreicherinnen und Österreicher eine Wahlentscheidung getroffen haben, derer wir uns zwar schämen, aber die wir nicht entschuldigt haben wollen. Demokratie ist Demokratie, ist Demokratie. Daher: Wir hören, wir sehen, wir lesen, wir spüren, wir wissen! Wir wollen keine wiederholte Geschichte derer, die sagten "wir wußten es nicht". Wir Wissen! Wir wissen in Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder! Wir wissen, im Gedenken an jene , die in diesem Land schon einmal wußten und dafür mit dem Verlust ihrer Heimat und ihrem Leben bezahlt haben. Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ich hörte Sie gestern sagen, "ich bin nicht das andere Österreich, ich bin Österreich". Das ist gut. Wir sind nicht das andere Österreich. Wir sind Österreich. Eminenz, sehr geehrter Kardinal! Ich höre Sie schweigen. Ich höre Sie schweigen zu den ungeheuerlichen Äußerungen Ihres Mitbruders, Weihbischof Laun aus Salzburg, von dem ich erst kürzlich lesen mußte, daß er das Recht auf straffreien Schwangerschaftsabbruch mit Auschwitz gleichsetzt, daß er es umsichtig und klug findet, wenn er frägt ob Haider nicht doch mit den gesetzlichen Selbstheilungskräften des Landes beizukommen sei, daß er die Existenz von Ausländerfeindlichkeit mit der Existenz der Aktion Nachbar in Not bestreitet, daß er den Mitgliedstaaten der EU vorwirft, sie hätten Österreich schon einmal alleine gelassen, als es um den Anschluß an Hitlerdeutschland ging. Der Herr Bundespräsident verlangte vor der Regierungsangelobung eine Unterschrift von den Parteiobmännern von ÖVP und FPÖ, Schüssel und Haider, unter ein Bekenntnis für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte. Mitglieder dieser Bundesregierung verkünden seit sie im Amt sind regelmäßig ihre Bereitschaft, die Verfassungsmäßigen Grundrechte, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht zu respektieren. Danke schön, sehr lieb! Herr Bundeskanzler, Frau Vizekanzlerin! Unabhängig davon, daß Ihnen dies alles offensichtlich nicht einmal peinlich ist, möchten wir Sie doch darauf aufmerksam machen, daß die Österreichische Zivilgesellschaft weder im Koma liegt noch an Gedächtnisschwund leidet. Das Regierungsübereinkommen wurde von einem Mann unterschrieben, dessen eigen widerliche Äußerungen, und jene, die er deckt, unentschuldbar sind, weil Menschenverachtung nicht verjährt! Das Regierungsübereinkommen wurde von einem anderen Mann unterschrieben, der vorher die Wähler täuschte und nachher die Kritik beleidigt als vorgefaßte Meinung zurückweist. Die Glaubwürdigkeit Ihrer Versprechungen und Ihrer Bekenntnisse unterliegt keiner Vorverurteilung. Wir sollen Sie an Ihren Taten messen? Nehmen Sie zu Kenntnis: wir tun dies bereits. Ich gehöre mit meinen 61 Jahren einer Generation an, die an den Ursachen, die zum Faschismus führten, nichts verändern konnte – weil noch nicht geboren – aber die Auswirkungen erleben mußte. Ich bin stolz auf die jungen Menschen von heute, die die Verantwortung für Ihre Zukunft nicht delegieren, sondern auf die Straße gehen. Und all jene, die permanent versuchen, diesen jungen Menschen Gewaltbereitschaft zu unterstellen, deklarieren damit, wes Geistes Kind sie selber sind. Solange diese Regierung im Amt ist, werden mir die Zeilen von Virginia Woolf nicht aus dem Kopf gehen, als sie schrieb: "Als Frau hab ich kein Land als Frau brauch' ich kein Land als Frau ist mein Land die ganze weite Welt"


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