Donnerstag, 9. September 2010, 19 Uhr, im RC:
Vortrag von Alexandra WEISS zum Thema „Hausfrauisierung der Männer?“
Moderation: Brigitte LEHMANN
Alexandra WEISS ist Politikwissenschafterin, Koordinatorin für Gender Studies und Lektorin an der Universität Innsbruck.
In dem Buch „Arbeiten wie noch nie“, hg. von Sabine Gruber, Frigga Haug und Stephan Krull, das Oktober 2010 im Argument Verlag erscheint, veröffentlicht sie einen Beitrag unter dem Titel: „Die Arbeit der anderen“. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Veränderung von Arbeit. In dem Buchbeitrag geht es um den Zusammenhang: Produktionsweisen, Arbeitsformen und Vergesellschaftung von Individuen in Verbindung mit der Frage, wie Widerstand / soziale Bewegungen unter diesem Einfluss entstehen, bzw. was die Bedingungen von Politisierung sind.
Der polemische Begriff „Hausfrauisierung“ soll die strukturelle Entwertung weiblicher Arbeit im Kapitalismus kennzeichnen. Allerdings: Erwerbsbiographien verändern sich, Normalarbeitsplätze werden zunehmend ein knappes Gut. Frauen sind mit prekären Arbeitsplätzen vertraut, Männer werden zunehmend damit konfrontiert. Zugleich mit dem strukturellen Wandel der Arbeitswelt der gesellschaftliche Wandel, u.a. die Modernisierung der Männerrolle in Bezug auf häusliche Arbeit und Kinderbetreuung, zumindest auf der Ebene der Leitbilder, wenngleich sich die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen als persistent erweist. Trotzdem, die männliche Forderungslogik, die sich darauf beruft, dass der Mann das Geld, bzw. mehr Geld verdient als seine Partnerin, müsste eigentlich ein natürliches Ende finden, wenn Männer z.B. Phasen von Arbeitslosigkeit zwischen zwei Jobs haben. „Hausfrauisierung“ gewissermaßen in einem doppelten Sinn. Führen diese Entwicklungen u.U. zu neuen Solidargemeinschaften, in die jede/r, wie ungleich auch immer, aber gleich bewertet, finanzielle und sonstige Ressourcen einbringt – bzw. in Anlehnung an Frigga Haug alle Menschen größere Möglichkeiten haben, sich der Erwerbsarbeit, Familienarbeit, dem Gemeinwesen und der kulturellen Entwicklung zu widmen.
Diese Veranstaltung findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe „Weiblicher Eigensinn und Gesellschaftspolitik“ statt. Diese Veranstaltungsreihe wurde von Brigitte Lehmann (Republikanischer Club) konzipiert und wird vom Bundesministerium für Frauen und öffentlicher Dienst und von der MA 57 (Frauen) der Stadt Wien unterstützt.
